Wort zu Sonntag, Hellweger Anzeiger, 08. April 2017


Die Welt zu einem besseren Ort machen

Von Gemeindereferentin Silke Klute, Pastoralverbund Holzwickede-Opherdicke

Liebe Leserinnen und Leser!

Geht es Ihnen in diesen Tagen auch so wie mir: Haben Sie auch keine Lust, den Fernseher oder das Radio anzuschalten, weil Sie gar nicht wissen möchten, was schon wieder überall in dieser Welt passiert ist? Ein neuer Giftgasanschlag, ein U-Bahn-Attentat, eine Hungersnot, und dazu geflügelte Worte wie „Alternative Facts“, die mich an Pippi Langstrumpfs „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ erinnern. Hinzu kommen die kleinen und großen Dramen vor der eigenen Haustür: Da ist die Frau, die immer für alle alles gemacht hat und sich nun durch ihre Krankheit nutzlos und alleine fühlt; da ist der Sohn, der all seine Wut gegen seine Mutter richtet und sie mit einem Messer attackiert; da ist der Ehemann, der sein Bestes für die Familie gibt, aber es reicht einfach nicht, was bleibt, ist ein Scherbenhaufen aus verletzten Gefühlen und Tränen. Und dann lese ich in der Bibel das Evangelium von Palmsonntag: Jesus wird bejubelt und gefeiert, eine ganze Stadt gerät in Aufruhe (Mt 21,1-11). Wie passt das zusammen? Wie können wir denn nicht verzweifeln an dieser Welt und an den Menschen, die Kummer und Leid verursachen? Wieso ist Jesus nicht verzweifelt, er wusste doch, was auf ihn zukommt. Er muss doch geahnt haben, wie schnell die Stimmung kippt, wie schnell sich die Jubelrufe in Hohn und Spott verwandeln? Warum ist er nicht weggelaufen? Warum lässt er sich erst feiern und dann töten?

Ich glaube, weil er genau wusste, dass er die Welt nicht ändern wird, wenn er wegläuft. Aber er hat sie verändert dadurch, dass er blieb und sich dem Leiden und Sterben ausgeliefert hat.

Nun fragt sich vielleicht der eine oder die andere, was es denn genutzt hat angesichts der Tatsache, dass Menschen auch 2000 Jahre später offenbar nicht viel dazu gelernt haben – zumindest nicht in Sachen Friedfertigkeit und Menschlichkeit. Und doch hat dieser Jesus die Welt verändert – meine eigene und die vieler anderer, die an ihn glauben. Ich glaube daran und vertraue darauf, dass Jesus den Tod überwunden hat, dass sein Sterben eben nicht sinnlos war. Jesus zeigt mir auch heute, 2000 Jahre später, die unendliche Liebe Gottes, die mich stark machen will, die mich eben nicht absolut verzweifeln lässt und mich trägt durch diese stürmischen Zeiten. In der vor uns liegenden Karwoche nehmen wir als Christen in besonderer Weise das Leiden und Sterben Jesu in den Blick, um uns auf das Osterfest vorzubereiten.

Der Tod eines Anderen lässt mich immer auch nach meiner eigenen Endlichkeit und nach meinem eigenen Versagen fragen. Meine Schwächen zu erkennen und vor Gott zu tragen ist der erste Schritt zur Veränderung. Und auch, wenn ich keine Kriege verhindern und keine Hungersnot bezwingen kann, so kann ich vielleicht durch kleine Veränderungen meines Verhaltens die Not und das Leid von jemand anderem lindern, die Welt zu einem besseren Ort machen.

Manchmal bedarf es nur eines Lächelns oder eines freundlichen Wortes. Begegnungen, in denen das spürbar wird, sind für mich die Momente, in denen die Liebe Gottes greifbar wird, die „alltäglichen“ Auferstehungen.

Ich wünsche Ihnen für die kommenden Tage viele gute Begegnungen, getragen von der Liebe Gottes, in denen Ostern für Sie persönlich immer wieder neu erfahrbar wird.


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