Hellweger Anzeiger, 05. Juni 2013


Madonna breitet schützend ihren Mantel aus

 

Das Werk des Bildhauers Heinrich Lückenkötter findet wieder Platz in der Liebfrauenkirche.

Bildwerk stellt auch Dechant Alois Gemmeke dar.

Von Yvonne Schütze-Fürst

Foto: HA

Es ist kalt in der Liebfrauenkirche. Das stört den Künstler Bernhard Lutzenberger und den Maler Enno Lehmann nicht. Feinsäuberlich mischen sie die Farbe aus dunkelroten Farbpigmenten, die künftig wieder die Schutzmantelmadonna in das rechte Licht rücken soll. Während Lehmann die angetrocknete Farbe wieder ein wenig aufraut, um die nächste Schicht aufzutragen, erklärt der Künstler, dass es sich dabei nicht um einen gewöhnlichen Farbanstrich handelt. Es komme beim Anstrich vielmehr darauf an, eine homogene Struktur zu erschaffen. Später, wenn die Madonna steht, soll ihr die Farbe zu einem Schein verhelfen.

Die Vorbereitungen für die Wiederaufstellung der Schutzmantelmadonna, die Anfang der 1970er Jahre aus der Kirche entfernt wurde, sind gut vorangeschritten. Noch in dieser Woche soll das Aufstellen des aus sieben Teilen und Eichenholz gefertigten Bildwerkes erfolgen.

Noch zu Lebzeiten von Pfarrer Alois Gemmeke wurde mit dem Sparen für die Darstellung einer Schutzmantelmadonna in der Liebfrauenkirche begonnen. Am 17. September 1955 – inzwischen war Franz Wandrowetz Pfarrer der Liebfrauengemeinde – wurde das Werk des Bildhauers Heinrich Lückenkötter aus Oelde in der Kirche aufgestellt. Der Westfälische Bildhauer schuf das 2,20 Meter breite und 2,60 Meter hohe Bildwerk. Die Madonna ist Mittelpunkt des Kunstwerkes und breitet ihren Mantel schützend über Menschen aus dem Alltag aus. Zu sehen sind eine Frau und ein Kind, ein Kaufmann, ein Arbeiter, Chorknaben und Mädchen, ein Bergmann – und der im Dezember 1953 verstorbene geistliche Rat Dechant Alois Gemmeke.

Unterhalb der Figuren finden sich Bildnisse, die von der Verkündigung, der Begegnung mit Elisabeth, Christi Geburt, der Darbringung im Tempel und Christus unter den Schriftgelehrten erzählen.

Während die Reliefs tadellos erhalten sind, hat die Schutzmantelmadonna über die Jahre Schaden erlitten, nachdem sie Anfang der 70er-Jahre aus der Kirche entfernt wurde.

Erst im Februar 2011 kamen beide Teile, das obere Bildwerk und die fünf Reliefs, erstmals nach mehreren Jahrzehnten wieder zusammen, wenigsten provisorisch und für ein paar Stunden, um einen Eindruck gewinnen zu können, wie sich dieses große Bildhauerwerk in das Ganze der Kirche und in die künstlerische Neugestaltung einfügt.

Nun hat die Vorbereitung für die Aufstellung der Schutzmantelmadonna schon große Fortschritte gemacht. An der Stirnwand des Chorraums sind das Podest und die Rückwand für das große Bildwerk entstanden und unter der Anleitung von Bernhard Lutzenberger farbig gestaltet worden.

Das Künstlerehepaar Lutzenberger & Lutzenberger gewann einen Wettbewerb der Diözese Paderborn und kennt sich seit 20 Jahren mit Gestaltungen von Altarräumen aus. So haben sie zum Beispiel an der Hauskapelle der Urnenkirche Liebfrauen in Dortmund gearbeitet. In der Holzwickeder Liebfrauenkirche hat Lutzenberger auch bereits die stoffbespannte Altarwand aus fünf Stelen gestaltet. Mittlerweile ist so im hinteren Teil der Kirche ein neuer Raum der Besinnung geschaffen worden. Nur das i-Tüpfelchen, die Schutzmantelmadonna, fehlt – noch. Sie bekommt ihren Ehrenplatz vor der Stirnwand des Chorraumes, wird aber –und das ist bewusst so gestaltet worden – auf den ersten Blick gar nicht zu sehen sein. Die fünf Stelen werden den Blick verdecken. Erst wer sich nähert, wird die Darstellung der Pfarrpatronin entdecken. Die Kunstschreinerei und Bildhauerei Röbbecke aus Rüther-Oestereiden hat die Madonna restauriert.

Allerdings wird sie, und auch das ist bewusst so gewählt, nicht aussehen wie neu, sondern weiterhin die Spuren der Zeit an sich zeigen. Herausgebrochene Teile wurden nicht ersetzt, die Figuren aber überarbeitet.


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