Hellweger Anzeiger, 01. Oktober 2011

  WORT ZUM SONNTAG  


Dankbar sein und auf Gott vertrauen

 Von Silke Klute, Gemeindereferentin

 

An diesem Sonntag wird in vielen Gemeinden hierzulande Erntedank gefeiert. Dank unserer Zeit und des Internets habe ich mal gegoogelt, was denn das World Wide Web zum Thema Erntedank so hergibt. Dabei bin ich auf folgenden Artikel (hier nur ein Ausschnitt) gestoßen:

„Fest und Feier zu Erntedank haben zwei verwandte Quellen: Solange sich der Mensch als Teil einer göttlichen Schöpfung begreift, wird er Teile dieser Schöpfung wie zum Beispiel seine Nahrung aus Ackerbau und Viehzucht auf Gott zurückführen und sich zu Dank verpflichtet wissen. Dies gilt vor allem dann, und dies ist die zweite Quelle, wenn sich der Mensch als abhängig vom Naturkreislauf erfährt, in den die Nahrungsgewinnung eingebunden ist. Der Abschluss der Ernte bot darum immer Anlass zu Dank und Feier.“ (Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln)

Mir drängt sich unweigerlich die Frage auf, ob der Autor des Textes absichtlich im letzten Satz die Vergangenheitsform gewählt hat. Haben wir heute auch noch Anlass zum Dank? Und wenn, wofür?

Die Handvoll Tomaten, die ich mit meinen Kindern auf dem Balkon geerntet habe, haben mich wenig Anstrengung gekostet. Die Pflanze stand ja schon in voller Blüte, als ich sie kaufte. Da fühle ich mich eher zu Dank verpflichtet, wenn ein Einkauf mit meinen beiden Knirpsen reibungslos und ohne großartiges Gequengel vonstatten geht.

Die Geschäfte sind das ganze Jahr über voll mit Köstlichkeiten. Und schnell erwische ich mich selbst dabei, nur die schönsten Äpfel und Birnen auszuwählen, die Ware auf Frische und Festigkeit zu prüfen und im Winter auch gern mal über die hohen Salatpreise zu meckern. Doch all das ist wohl wider die Natur. Es wächst eben nicht immer alles nur fürs Auge, was ja bekanntlich mit isst. Und es wächst auch nicht alles zu jeder Jahreszeit. Offenbar haben wir verlernt, im Einklang mit der Natur zu leben, und die Früchte unserer Erde wirklich zu schätzen.

Die wenigsten von uns haben noch in direkter Weise mit Landwirtschaft und Ernte zu tun. Vielleicht ist das genau der Grund, warum es uns heute so schwer fällt, dankbar zu sein und auf Gott zu vertrauen. Wir arbeiten hart für unser Geld. Wir stellen uns unter einen immensen Druck von Produktivität und Erfolg. Die Ernte sind oftmals Stress, Burnout und Unzufriedenheit. Vermutlich hat keine Gesellschaft so viel Freizeit und Freizeitangebote gehabt, wir die Unsere. Doch auch die Freizeitgestaltung muss geplant und gemanagt werden und ist kein echter Ausgleich mehr. Wir überlassen ungern etwas dem Zufall, müssen minutiös planen.

Ich glaube nicht mehr an Zufälle, und ich bin gerade dabei zu lernen, nicht alles zu (ver-) planen. Mein bisheriges Leben hat mich gelehrt, dass eben nicht immer alles nach Plan verläuft. Inzwischen ist es meine tiefe Überzeugung, dass es einen Plan gibt, nur eben nicht immer meinen. Ich danke Gott für viel Schönes, was ich in meinem Leben erfahren durfte, und ich danke ihm auch für die Krisen in meinem Leben. Denn ohne sie hätte ich das Danken schon längst verlernt. Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich bin.

Meine Ernte des vergangenen Jahres: Eine wachsende Zuversicht, dass alles gut wird. Diese Floskel ist für mich längst keine solche mehr. Je gelassener ich meinen Tag beginne, desto zufriedener gehe ich am Abend zu Bett. Das hat nichts mit Unbekümmertheit zu tun. Es ist das tiefe Vertrauen darauf, dass die Dinge, die nicht meinem Geschick und meiner Planung zu verdanken sind, von jemandem geleitet werden, jemandem, der es gut mit mir meint. Gott – dafür danke ich dir!

So wünsche ich Ihnen Gelassenheit, Vertrauen und einen gesegneten Sonntag.


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